Fernwartung: Bildschirm freigeben unter Mac OS X Leopard

by Tom on 26. Dezember 2007

Meine Ma bekommt heute meinen Intel-iMac mit auf den Weg nach Hause, der einen alten iMac G3 ablösen wird. Da sie in Kürze auch DSL bekommen wird, eröffnet sich dadurch nicht nur die Möglichkeit, dass sie ihre Enkeltochter öfter via Videochat sehen wird, sondern auch die Option der Fernwartung des Rechners, was mir das Leben etwas einfacher machen wird (wobei ich den iMac seit meiner Magisterarbeit, die ich auf ihm geschrieben hatte, nicht mehr angefasst hatte).

Es existieren meines Wissens nach vier Möglichkeiten des Screensharings:

Die Finder-Variante funktioniert nur mit Rechnern im eigenen Netzwerk und ist damit nicht für den entfernten Einsatz über das Internet geeignet. Apple Remote Access kostet 299 Dollar, bietet dafür einige Features mehr, aber fällt somit auch aus der Wertung. Bleiben nur iChat und Chicken of the VNC.

ichat-screensharing.png

Die Bildschirm-Freigabe über iChat basiert auf VNC (Virtual Network Computing), ist aber “for the rest of us” einfach zu bedienen. iChat starten, Teilnehmer auswählen und dann via Control-Klick “Meinen Bildschirm für xxx freigeben…” auswählen (oder “Um Zugriff auf Bildschirm von xxx bitten…”). Die andere Seite muss diese Anfrage dann nur noch akzeptieren.

moechte-zugreifen1.png

iChat erlaubt es, gleichzeitig einen Audio-Chat zu führen, so dass man dem anderen Teilnehmer auch etwas demonstrieren kann (was in diesem Fall sehr nützlich sein kann, denn schließlich wird von Mac OS 9 auf Mac OS 10.5 gewechselt und da muss eventuell etwas mehr erklärt werden). Man kann die Maus übernehmen und auch die Tastatur, was schnell zu Verwechslungen führen kann, denn mit Apfel-Q schließt man nicht das Screen Sharing-Fenster, sondern das aktuelle Programm auf dem Rechner, dessen Bildschirm man besetzt.

Die mit Leopard ausgelieferte Version enhält einige versteckte Funktionen, die sich mit einem kleinen Hack aktivieren lassen. Zunächst einmal kann man die Screen Sharing-Applikation auch ins Dock werfen, sie befindet sich unter /System/Library/CoreServices. Dann kann man alle verfügbaren Rechner in einem Bonjour-Browser sehen, wenn man (bei geschlossener Screen Sharing-Applikation) die folgende Zeile ins Terminal eingibt (und danach Enter drückt):

defaults write com.apple.ScreenSharing ShowBonjourBrowser_Debug 1

Die Screen Sharing-Applikation verfügt auch über eine nette Toolbar, die allerdings auch erst via Terminal aktiviert werden muss; dazu wird folgender Befehl eingegeben:

defaults write com.apple.ScreenSharing \
'NSToolbar Configuration ControlToolbar' -dict-add 'TB Item Identifiers' \
'(Scale,Control,Share,Curtain,Capture,FullScreen,GetClipboard,SendClipboard,Quality)'

Die Toolbar kann allerdings erst aktiviert werden, wenn man mit einem Rechner verbunden ist:

toolbar.png

Mit den Buttons erweitern sich die Funktionalitäten des Screen Sharings: Man kann zum Beispiel ein Bildschirmfoto des Remote-Rechners erstellen, welches dann aber lokal abgelegt wird. Oder man sperrt die Tastatur und Maus des anderen Teilnehmers, man kann den entfernten Benutzer auch komplett ausperren. Bei der iChat-Variante habe ich noch nicht rausgefunden, wie man das Screensharing beendet, abgesehen davon, dass man das Fenster einfach schließt. Was auch nicht geht, was aber auch nicht wirklich verwunderlich ist, ist das Pasten des Clipboards von dem einen Rechner zu dem anderen (zum Beispiel eine URL, die man dem anderen zeigen will).

Chicken of the VNC ist ein Open Source-VNC-Client, der allerdings anscheinend nicht mehr aktiv gepflegt wird; das letzte Update stammt vom Januar 2006. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Ankündigung von Leopard mit dem VNC-Feature daran nicht ganz unschuldig ist. Im Test ist Chicken of the VNC um einiges langsamer als die interne Variante. So konnte ich mit dem Screen Sharing-Feature des Finders das Fernsehbild meiner TV-Karte auf einem anderen Rechner fast ruckelfrei sehen, wohingegen Chicken of the VNC eher ein Bild pro Sekunde schaffte. Natürlich ist es ein großer Unterschied, ob man sich an einen Rechner innerhalb des eigenen Netzwerks oder über das weite Internet andockt; wie schnell iChat aber ist, zeigte sich auch in einem Test mit Timo, bei dem die Entfernung keinen Einfluss auf die Verbindungsqualität hatte. Auch die Einrichtung ist bei Chicken of the VNC etwas mühseliger, was aber auch nicht verwundert, denn schließlich muss man hier alle Netzwerkfunktionen selbst zusammentragen, was beim iChat-Programm durch die Anbindung an AIM automatisch geschieht.

Insgesamt bin ich begeistert, wie einfach und zuverlässig iChat das Screen Sharing ermöglicht. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass der Router meiner Mutter iChat auch durch die Firewall lässt, denn oft ist das nicht der Fall. Bleibt zu hoffen, dass Skype in Zukunft auch so etwas anbieten wird; was ich mir wünsche ist die Möglichkeit, auch Präsentationen übers Netz zeigen zu können, wie es momentan nur mit Bezahldiensten möglich ist.

(Einige Tipps kommen von MacWorld, sind aber angepasst)

{ 1 trackback }

(Un)Weihnachtliche Links | maclife.at
27. Dezember 2007 um 10:26

{ 6 comments… read them below or add one }

Tom Schimana 5. Januar 2008 um 14:28

Funktioniert die Fernwartung über Leopard’s iChat auch mit ICQ?

Tom 5. Januar 2008 um 15:27

Ist ICQ nicht zusammengewachsen mit AIM, seitdem AOL ICQ in den 90ern erworben hat? Und da iChat AIM nutzt…

Fabian 25. Januar 2008 um 20:31

über ichat ist es doch möglich gemeinsam präsentationen zu sehen außerdem gibt es da auch schon eine reihe web 2.0 angebote die das kostenlos anbieten.

Tom 26. Januar 2008 um 00:59

Ja, aber Windows-User haben zum Beispiel kein iChat. Und ich möchte ungern eine Präsentation, die sensitive Informationen enthält, über einen Web 2.0-Dienst verteilen.

Lupus 31. März 2008 um 08:02

Nur der Vollständigkeit halber: Es gibt mit »Timbuktu Pro« mindestens eine fünfte Möglichkeit. Kostet auch was, ist aber dafür nach meiner Erfahrung die schnellste, stabilste und vielseitigste (oder muss das »meistseitige« heißen?) Art, andere Rechner zu überwachen und/oder fernzusteuern. Arbeitet beispielsweise mit Skype zusammen, um Firewalls auch ohne zusätzliche Konfiguration derselben überwinden zu können.

Marco 10. März 2010 um 20:32

@ Tom: Ist zwar schon bissel älter der Eintrag hier, bin aber drüber gestolpert und gebe gerne noch meinen Senf dazu ab ;-) . Nimm einfach TeamViewer ( http://www.macload.de/download/teamviewer ), gibt es seit geraumer Zeit ja nun auch für den Mac. Funktioniert sowohl für den Mac, als auch PC in beide Richtungen. Für Privatuser ist es zudem auch kostenlos und als iPhone App gibt es dies auch schon.

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